Lange Kerls gestern und heute
(von J.-S. Strauss)
Vergangenheit
Die riesigen Grenadiere traten erstmals 1713 mit dem Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm I. – der später „Soldatenkönig“ genannte Vater des Alten Fritz – in das öffentliche Interesse. Zwischen hierarchischen Ansprüchen und bürgerlichem Aufbegehren lagen Fluch und Ehre Preussens immer nahe beieinander, wie bei beim Schwarz und Weiss der Preußenfahne. Demnach wurden und werden helle und (vor allem) dunkle Schatten beleuchtet zu historischen Anlässen (z.B. Gründungsjahr) und Geburtstagen (z.B. Alter Fritz). Und dies, obwohl die Monarchie allerspätestens seit 1918 nicht mehr in Deutschland existiert.
Gegenwart
Seit der Gründung der „Vereinigung zur Pflege und Förderung der Tradition der Potsdamer Riesengarde Lange Kerls e.V.“ im Jahr 1990 begeistern die ehrenamtlichen Mitglieder ihr Publikum im In- und Ausland. Mit dem Reglement und Exercitium von 1726, originalgetreuen Uniformen und Waffen präsentieren die Langen Kerls mit wehenden Fahnen Geschichte zum Anfassen. Die Langen Kerls treffen sich regelmässig zum Training, unregelmässig zum Tabakskollegium und gewinnen neue Vereinsmitglieder durch öffentliche Auftritte sowie militärische Musterungen. Selbstverständlich alles nach historischer Vorlage!
Die militärische Werbung hatte in der Vergangenheit den Zweck, Landsknechte, Söldner und andere in die Armee aufzunehmen, um die Heimat verteidigten zu können. Die erste öffentliche Musterung fand am 19.06.1990 statt und führte zur Gründung des Vereins. Bei solch einer Rekrutierung von neuen aktiven Vereinsmitgliedern werden militärische Schaudarstellungen gezeigt und historische Hintergrundinformationen (Pro und Contra) vermittelt. Potentielle Rekruten werden auf ihre Tauglichkeit überprüft. Selsbtverständlich gilt auch heute noch das Mindest-Gardemass von „sechs preußischen Fuß“, bzw. 1,88 Meter. Wer sich „freiwillig“ melden möchte kann eine öffentliche Musterung abwarten oder sich sofort in der Rekrutierungsstelle (siehe Kontaktdaten) melden. Denn der Verein sucht permanent nach Rekruten sowie Förderern und Sponsoren.
Friedrich Wilhelm I. liebte sein Tabakskollegium. Damals fanden i.d.R. enspannende Zusammenkünfte des königlichen Schatttenkabinetts statt in Berlin, Potsdam und Wusterhausen. Gewöhnlich bildeten Generale und Stabsoffiziere die ausgelassene Gesellschaft. Hierzu kamen die am Hofe anwesenden fremden Gäste und Prinzen, Gelehrte sowie wohl unterrichtete Personen („interessante Persönlichkeiten“) aus dem Zivilstand. Insbesondere gelehrte Leute, welche in den Staatswissenschaften und den Welthändeln und in der Völker- und Erdkunde Bescheid wußten. Sie mußten französische, holländische und deutsche Zeitungen vorlesen und erklärende Vorträge halten.“ Wie bereits bei der ritterlichen Lichtgestalt um den legendären König Artus, saß auch der Soldatenkönig auf gleicher Ebene in einer Runde mit seinen Tafelgästen. F.W.I. ging sogar noch einen Schritt weiter als Artus und lies sich beim Tabakskollegium ausschliesslich nur als „Herr Oberst“ anreden. Alle Teilnehmer sollten offen miteinander reden und durften spontan (durch Fragen und Einwendungen) unterbrechen. Auch sprach man von den Begebenheiten des Tages. Man(n) unterhielt sich ebenso zwischen Essen und Trinken. Vor jedem stand ein Krug mit „schäumenden“ Bier. In der Regel mußte sich jeder selbst bedienen. Zuweilen bewirtete der König auch seine Gäste selbst (z.B. mit Fisch und Salat).
In den ersten Jahren der Vereinsgründung fanden diese geselligen Runden hauptsächlich auf Militärgelände (bei Potsdam) statt. Seit 2010 finden öffentliche Aufführungen im Schloß Friedrichsfelde (Berlin) statt (siehe Video). Die Laienaufführung der Langen Kerls beinhaltet eine einführende Lesung sowie die Gesprächsrunde nach historischer Vorlage. Der Eintrittspreis ist für die (Kostendeckung der) Tafelfreuden nach historischen Rezepten (siehe Termine).
Die Langen Kerls verstehen sich als lebendiges Museum. Neben all den vorgenannten Darstellungen reden die Langen Kerls über ihre Regimentsgeschichte und halten z.B. Vorträge in kulturellen Einrichtungen und bei Versammlungen (Schule, Museum, Stadtfest etc.). Bei passenden Gelegenheiten werden (je nach Möglichkeit) auch Exponate (temporär) ausgestellt.
Spenden an die Potsdamer Riesengarde „Lange Kerls“ e.V.:
Deutsche Bank 24
Konto 804 599 900
Bankleitzahl 100 700 24
Suche nach Vorfahren
(aus dem frühen 18 Jahrhundert)
Leider haben wir keine eigenen Datenbanken, die Ihnen helfen könnten. Es gibt allerdings ein Buch von Prof. Dr. Jürgen Klosterhuis, dem Präsidenten des Geheimes Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz, Berlin, in dem Quellen zu den Langen Kerls umfassend dargelegt werden – u.a. einige Namenslisten. Um sich darüber ein Bild zu machen, empfehlen wir Ihnen, sich diese Quellenedition Legendäre „lange Kerls“ zu besorgen über:
• Fernleihe über eine Fach- oder Universitätsbibliothek
• Kaufmöglichkeit: Potsdamer Riesengarde Lange Kerls e.V.
• Kaufmöglichkeit: Berlin Story Wieland Giebel GmbH, www.BerlinStory.de
Alternativ können Sie auch direkt beim Geheimen Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz, Berlin anfragen, hierfür sind allerdings Gebühren fällig. (Für jede angefangene halbe Stunde Bearbeitungszeit 16,00 €, Status 2006.) Adresse:
Archivstraße 12-14
14195 Berlin (Dahlem)
Tel.: 030-266-447500
Homepage: www.gsta.spk-berlin.de













